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Kinder-Kreuzzug

Veröffentlicht vor 2 Monaten, 23. Jan. 2020

(Predigt vom 19.01.2020)

Anfang des Jahres schaute ich im ZDF die sehenswerte Serie “Das Boot”. Daraufhin habe ich ein bisschen gegoogelt:

Im U-Boot-Krieg der deutschen Kriegsmarine kamen insgesamt 863 von 1162 gebauten Booten zum Kampfeinsatz. 784 Boote gingen verloren. An Bord der von deutschen U-Booten versenkten 175 Kriegsschiffe und 2882 Handelsschiffe verloren über 30.000 Menschen ihr Leben.

Lothar Günther Buchheim, der selbst als Kriegsberichterstatter an Bord von U 96 an Feindfahrten teilgenommen hat, äußerte sich später rückblickend zu den Verlusten: “Die U-Boote wurden ‚Eiserne Särge‘ genannt. Was man damals als ‚Blutzoll‘ bezeichnete, die Verlustquote also, war bei den U-Boot-Männern so hoch wie bei keiner anderen Waffe. Von den 40.000 U-Boot-Männern sind 30.000 im Atlantik geblieben. Viele von ihnen waren noch nicht einmal Männer – in Wirklichkeit waren es halbe Kinder: Der U-Boot-Krieg Nazi-Deutschlands war ein riesiger Kinder-Kreuzzug. Wir hatten 16-Jährige an Bord, gegen Kriegsende gab es 19-jährige Leitende Ingenieure und 20-jährige Kommandanten, in einer Art Schnellbrütverfahren frontreif gemacht, um auf eine besonders schlimme Weise vom Leben zum Tode befördert zu werden. In den Todes-Nachrichten von U-Boot-Fahrern hieß es, sie seien gefallen. Nein, sie sind nicht gefallen, sondern abgesoffen, ersäuft wie überzählige Katzen im Sack.

Opfer 2. Weltkrieg:

  • Insgesamt ca. 60 Millionen Tote.
  • Die meisten Opfer brachte Russland mit ca. 27 Millionen Toten.
  • Deutschland 6,3 Millionen.
  • Juden ca. 6 Millionen.

Solche verheerenden Heimsuchungen hat es in der Geschichte der Menschheit immer wieder gegeben. Beispiel: Prozentual hat der 2. Weltkrieg knapp 10% der deutschen Bevölkerung das Leben gekostet. Beim 30-jährigen Krieg waren es 20 – 40%! Auch Völkermord hat es immer wieder gegeben. Denken wir nur an die Ureinwohner Süd- und Nordamerikas, an den Völkermord an den Armeniern und zuletzt an den Holocaust.

Es geht dabei nicht nur um einen Hitler oder einen Stalin oder um jene Missionare, welche Eingeborene zu Tausenden abschlachten liessen. Es geht vor allem um die Helfershelfer der Anführer, um all jene, welche mitmachten und mitmachen – auch heute noch, in vielen Ländern auf der ganzen Welt.

Und es geht wieder einmal um die Fragen: Wie kann so etwas sein? Wie kann es so weit kommen? Was kann so viele Menschen zu Bestien machen? Dass Kinder und Jugendliche leicht zu manipulieren und zu missbrauchen sind, ist nur allzu bekannt. Aber ein halbes Volk, Millionen von erwachsenen Menschen!? Könnte das auch mir passieren? Warum lässt Gott all die Grausamkeiten zu?

Mit zunehmendem Alter scheint es immer weniger darum zu gehen, auf solche Fragen Antworten zu finden, sondern vielmehr zu lernen, mit diesen Fragen, sowie mit all den großen Fragen des Lebens zu leben. Sie bleiben unbeantwortet.