Zurück zur Übersicht

Weihnachten 2019

Veröffentlicht vor einem Monat, 28. Dec. 2019

Für viele – auch für mich – ist Gott oder das Göttliche die Kraft und Macht, welche in der Schöpfung (Natur) wirkt. Die Anerkennung dieser Kraft und Macht und die damit verbundene Wertschätzung oder Ehrfurcht können wir als Religion bezeichnen. Ehrfurcht vor Gott, vor dem Göttlichen und vor dem Unbegreiflichen.

Stellen Sie sich nur mal vor, Sie würden dort oben im All in einer Raumstation sitzen, mit Blick auf die Erde, den Mond, die Venus, den Mars, vielleicht sogar auch noch mit Blick auf Jupiter und Saturn. Ich bin ziemlich sicher, fast alle würden von einer tiefen Ehrfurcht ergriffen werden, von der auch viele Astronauten berichten.

Ähnliches können wir natürlich auch hier auf der Erde erleben, wenn wir uns vom Göttlichen berühren lassen, oder wenn uns das Göttliche gleichsam packt, wie zum Beispiel bei der Geburt eines Kindes. Wir können Erfahrungen machen, die sich einer Beschreibung mit Worten entziehen.

Im Weihnachtsevangelium lesen wir: “Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.” Das, was Maria erlebt hat, war ja schon der Hammer! Den Sohn Gottes zur Welt bringen! Dann all die Begegnungen mit den Hirten, Königen und Engeln! Das muss man erst einmal verkraften! Ob sich das nun alles genauso zugetragen hat, wie es geschrieben steht oder erzählt wird, darauf kommt es nicht an. Es geht darum, dass ein Mensch Erfahrungen macht, die sein Innerstes berühren, die so intensiv und überwältigend sind, dass man keine Worte dafür findet.

Schliesslich muss man auch nicht über alles reden! Wir sind verschieden. Schaut euch doch um! Schaut nur eure Kinder an! Und dann erst eure Verwandten, Freunde, Nachbarn! Das gesamte Tierreich lässt sich in ihnen wiederfinden: die Schlange, der Skorpion, das Huhn und der Gockel, der Elefant und das Kamel, der Esel und das Schaf, Kuh und Ochs, der Bär und der Fuchs, komische Vögel usw. Eine Auswahl davon befindet sich sogar in und vor der Krippe.

Wir sind verschieden. Dem einen tut es gut, wenn er reden und sich aussprechen kann – dem anderen geht es deswegen nicht besser. Damit ist keinerlei Wertung verbunden. Dem einen hilft’s, dem anderen hilft es nicht. Wenn ich zum Beispiel all die Heilmittel verwenden würde, die mir – absolut gut gemeint – von meinen Schäfchen bei einer Erkältung empfohlen werden, dann läge ich unter dem Tisch! Erfreulich wäre, wenn wir möglichst kein ganzes Leben brauchen, um zu wissen und zu spüren, was uns guttut und was nicht.

Das klingt so einfach, meinen Sie! Das klingt nicht nur einfach, das ist auch einfach. Wir selber sind es, die das Ganze kompliziert machen. Im Grunde spüren wir nämlich ziemlich genau, was gut und was nicht gut für uns ist. Was uns häufig fehlt, das ist der Mut. Der Mut, den Schritt zu tun, den wir tun müssten, und der uns meist sehr wohl bekannt ist. Wir haben dann zig Entschuldigungen und müssen infolgedessen mit den Konsequenzen leben. Und so sammelt sich nicht selten, wie Erich Fried es formuliert: ein “Vorrat an unverbrauchter Verzweiflung” an.

Sammeln wir vielmehr schöne Erfahrungen und machen wir es wie Maria: “Maria aber bewahrte alles in ihrem Herzen.”

Es gibt Erfahrungen, über die brauche ich nicht zu reden, über die muss ich nicht reden und über die möchte ich auch nicht reden. Es könnte nämlich etwas kaputt gehen. Sie sind zu kostbar und zerbrechlich. Ich bewahre sie lieber in meinem Herzen und nehme sie mit ins Grab.